Henrik,
jetzt haben wir endlich einen handfesten Fehler gefunden
! Und der erklärt tatsächlich deine merkwürdigen Messwerte am Starthilfepunkt.
Die versehentliche Verbindung des Starthilfekabels mit Klemme 50 statt Klemme 30 am Anlasser erklärt, warum dort keine dauerhafte Batteriespannung anlag.
Deine Widerstandsmessungen passen dazu
- 0 Ohm zwischen Starthilfepunkt und dünnem Anschluss: Das passt zur direkten Verbindung mit Klemme 50.
- 7,4 Ohm zwischen Starthilfepunkt und dickem Anlasseranschluss: Hier misst du möglicherweise über die Wicklungen des Magnetschalters und weitere angeschlossene Stromkreise.
- 0 Ohm gegen Masse: Das kann ebenfalls durch einen niederohmigen Stromweg über den Magnetschalter zustande kommen.
Die Messwerte sind damit grundsätzlich erklärbar, ohne dass ein Kurzschluss im Kabelbaum vorliegen muss.
Wichtig ist jetzt, das Starthilfekabel bei vollständig abgeklemmter Batterie an die tatsächliche Klemme 30 des Magnetschalters anzuschließen – also an denselben Anschluss wie das dicke Batterie-Pluskabel. Nicht an den anderen großen Anschluss, der zum Anlassermotor führt.
Danach muss der Starthilfepunkt bei ausgeschalteter Zündung wieder Batteriespannung gegen Masse haben.
Und bitte bis zur Korrektur keinesfalls Starthilfe über diesen Punkt geben. Das könnte den Anlasser unerwartet betätigen.
Die Anschlussbelegung wird auch durch die technischen Unterlagen von Bosch bestätigt: Klemme 30 ist der Batterieeingang, Klemme 50 die Anlassersteuerung.
Was ich jetzt machen würde
Bevor du den Verteilerkasten vollständig zerlegst, würde ich folgendermaßen vorgehen:
- Starthilfekabel korrekt befestigen und die Anschlüsse gegen unbeabsichtigten Kontakt sichern.
- Vor dem Wiederanklemmen der Batterie kontrollieren, dass das Fahrzeug im Leerlauf steht, die Feststellbremse angezogen und die Zündung ausgeschaltet ist.
- Nach dem Anklemmen am Starthilfepunkt die Batteriespannung messen.
- Anschließend bei laufendem Motor die Ladespannung direkt an der Batterie prüfen. Typischerweise erwarten wir ungefähr 13,8–14,7 V.
Und was bleibt vom ursprünglichen Fehler?
Der falsch angeschlossene Starthilfepunkt erklärt unsere bisherigen merkwürdigen Messungen. Er erklärt aber nicht automatisch die Motoraussetzer während der Fahrt.
Ich würde jetzt drei Bereiche verfolgen:
- Motorsteuergeräteversorgung: Massepunkte, Sicherungskasten, Relaissockel und Kabelbaum auf Schäden untersuchen.
- Kraftstoffdruckregelung: Das brummende Mengenregelventil zunächst nicht ersetzen, sondern bei Bedarf Ansteuerung und Raildruck-Soll-/Istwerte prüfen.
- Kurbelwellensensor und dessen Verkabelung: Ein sporadischer Signalverlust kann einen laufenden Motor absterben lassen.
Wegen des Mäusebefalls würde ich die Kabel und Steckverbindungen unterhalb des Sicherungskastens weiterhin genau untersuchen. Dabei bleibt die Batterie abgeklemmt.
Eine Frage ist mir jetzt wichtiger als das Brummen:
Wurden nach den Aussetzern bereits die Fehlercodes aus dem Motorsteuergerät ausgelesen?
Gerade bei diesem G9U754 mit Bosch-EDC15C3-Einspritzung könnten uns die gespeicherten Fehler helfen, zwischen einer unterbrochenen Spannungsversorgung, einem Sensorsignalfehler und einem Problem mit der Kraftstoffdruckregelung zu unterscheiden.
Ich würde jedenfalls erst die ursprünglichen Fehlercodes sichern, bevor du auf Verdacht Bauteile austauschst.
Gruß Micha