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  3. Renault-Master-Mechanik

Ladedruck (angeblich) nicht ausreichend,

  • derAutoMichl
  • 19. August 2026 um 02:57
  • derAutoMichl
    Anfänger
    Beiträge
    6
    • 19. August 2026 um 02:57
    • #1

    das schreibt das Auslesegerät sinngemäß, um den Fehler zu beschreiben. Die Klartextanzeige im Instrument des Master lautet

    " Einspritzung defekt." Eine wichtige rote Lampe "Stop" leuchtet, und die Motorkontrolleuchte.

    Aber das Auto fährt geschmeidig. Natürlich habe ich nicht wie wild Gas gegeben, wenn mir in leuchtrot "STOP" nahegelegt wird.

    Nach Löschen des Fehlers konnte ich gute 50 km mit moderater Leistungsabnahme ohne erneute Fehlermeldung zurücklegen.

    Der Fehler kam dann erst bei einer Steigung. Der Turbolader singt fröhlich und das Fahrzeug fühlt sich agil an.

    Aus dem Auspuff kommt "reine Luft", wie der Österreicher zu sagen pflegt, also keinerlei schwarze, blaue oder weiße Pest.

    Keinerlei artfremde Geräusche hörbar. bis auf ein Klappern und knirschen im Drosselklappengehäuse, nach dem Abstellen des Motors. Diese Gymnastik soll das Teil dann angeblich absolvieren, aber ich denke, der Vorgang sollte sich eher etwas diskreter anhören.

    Womit soll ich anfangen ? Der schwarze Unterdruck-Wandler aus Plaste, der per Schlauch mit der Unterdruckdose des Turbolader-Schaufel-Verstell-Mechanismus verbunden ist, ist bereits neu eingebaut.

    (Bitte seht mir nach, dass ich oft die korrekten Fach-Termini nicht zitieren kann, bin eben Dilletant.)

  • nordinvent
    Profi
    Reaktionen
    91
    Beiträge
    1.041
    • 19. August 2026 um 08:01
    • #2

    Michl,

    du musst dich für die Fachbegriffe überhaupt nicht entschuldigen – deine Beschreibung ist für die Fehlersuche sogar ziemlich brauchbar. Und einige Details sind sehr aufschlussreich.

    Bei deinem Master 3 2.3 dCi (EZ 01/2012, 92 kW, FIN VF1MAF4CC46466870) würde ich nicht als Erstes den Turbo zerlegen. Der Umstand, dass der Fehler nach dem Löschen erst unter höherer Last an einer Steigung wiederkommt, ist ein wichtiger Hinweis.

    Was ich momentan für wahrscheinlich halte

    Der Fehler dürfte sinngemäß in Richtung „Ladedruck zu niedrig / Soll-Ladedruck wird nicht erreicht“ gehen.

    Dass der Wagen trotzdem gut fährt und der Turbo hörbar arbeitet, schließt einen solchen Fehler überhaupt nicht aus.

    Das Motorsteuergerät vergleicht nämlich unter Last:

    berechneten/angeforderten Ladedruck ↔ tatsächlich gemessenen Ladedruck

    Wenn die Differenz eine bestimmte Zeit bzw. einen bestimmten Grenzwert überschreitet, kommt die Meldung „Einspritzung prüfen/defekt“, dazu STOP und Motorkontrollleuchte.

    Und genau deshalb kann das Auto vorher 50 km völlig unauffällig fahren.


    Ich würde in dieser Reihenfolge vorgehen

    1. Als Allererstes: den exakten Fehlercode besorgen

    Das ist momentan der wichtigste Punkt.

    „Ladedruck nicht ausreichend“ ist die Beschreibung des Auslesegerätes – ich möchte wissen, welcher DF- oder P-Code tatsächlich dahintersteht.

    Zum Beispiel wären Codes aus der Richtung

    • P0299 – Ladedruck zu niedrig
    • Renault-spezifische DFxxx
    • oder ein Fehler bezüglich Ladedruckregelung / Luftdrucksensor

    für die weitere Diagnose entscheidend.

    Schreib mir bitte den exakten Fehlercode so ab, wie dein Auslesegerät ihn anzeigt.

    Wenn mehrere Fehler gespeichert sind: alle aufschreiben, auch „sporadisch“ oder „gespeichert“.


    2. Der neue Unterdruckwandler ist schon einmal gut – aber damit ist der Unterdruckkreis noch nicht ausgeschlossen

    Du meinst sehr wahrscheinlich das elektropneumatische Druckregelventil des Turboladers. Dieses steuert über Unterdruck die Verstelleinheit des Turboladers.

    Wenn dieses Ventil neu ist, würde ich jetzt nicht einfach weitere Teile tauschen.

    Stattdessen:

    Unterdruckleitung prüfen

    Vom Unterdrucksystem bis zur Turboladerdose wirklich jeden Zentimeter kontrollieren:

    • poröse Schläuche
    • kleine Risse
    • lose Anschlüsse
    • geknickte Schläuche
    • Öl-/Dieselverschmutzung
    • beschädigte T-Stücke
    • Rückschlagventile
    • Unterdruckspeicher, sofern vorhanden

    Gerade ein kleiner Riss kann dazu führen, dass die Regelung bei geringer Last funktioniert, aber bei höherem Bedarf nicht mehr genügend Unterdruck zur Verfügung steht.


    3. Die Turbolader-Verstelldose würde ich jetzt direkt testen

    Das ist für mich einer der interessantesten Punkte.

    Eine Hand-Vakuumpumpe an die Unterdruckdose des Turboladers anschließen.

    Dann beobachten:

    Bewegt sich die Betätigungsstange sauber und gleichmäßig?

    Sie sollte nicht:

    • ruckeln
    • hängen
    • nur teilweise laufen
    • plötzlich springen
    • sich erst nach mehrmaligem Pumpen bewegen

    Und vor allem:

    Hält die Dose den Unterdruck?

    Unterdruck aufbauen und einige Zeit beobachten.

    Wenn das Vakuum schnell wieder verschwindet, ist die Dose bzw. deren Membran oder die Leitung undicht.

    Wenn sie den Unterdruck hält, aber die Stange nur widerwillig läuft, würde ich an eine schwergängige Verstellung am Turbolader denken.


    4. Besonders interessant: die Verstellmechanik am Turbo

    Du hast den Begriff „Turbolader-Schaufel-Verstell-Mechanismus“ benutzt – genau dort würde ich hinschauen.

    Der 2.3 dCi hat einen Turbolader mit verstellbarer Turbinengeometrie.

    Wenn diese Verstellung durch Ruß/Ölkohle schwergängig wird, kann folgendes passieren:

    Bei normaler Fahrt:

    alles funktioniert

    Bei stärkerer Last:

    Motorsteuergerät fordert mehr Ladedruck → Verstellung soll weiter schließen/öffnen → Mechanik erreicht ihre Sollposition nicht schnell genug → tatsächlicher Ladedruck bleibt hinter dem Sollwert → Fehler

    Das passt ziemlich gut zu deiner Beschreibung.

    Und deshalb würde ich die Tatsache, dass der Turbo „fröhlich singt“, nicht überbewerten.

    Ein Turbo kann durchaus hörbar und grundsätzlich leistungsfähig sein und trotzdem eine nicht korrekt arbeitende VTG-Verstellung haben.


    5. Das Klappern/Knarzen der Drosselklappe ist ein zweites Thema, das ich aber ernst nehmen würde

    Das ist bei deiner Beschreibung interessant:

    Zitat

    „Klappern und knirschen im Drosselklappengehäuse, nach dem Abstellen des Motors.“

    Dass die Drosselklappe nach dem Abstellen noch eine Anler-/Stellbewegung macht, ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich.

    Aber:

    Klappern und Knirschen würde ich nicht als normal abhaken.

    Wenn die Klappe bzw. der Stellmotor mechanisch verschlissen ist, kann sie unter Umständen ihre Position nicht sauber erreichen.

    Das muss zwar nicht die Ursache deines Ladedruckfehlers sein, aber ich würde das Teil definitiv untersuchen.

    Insbesondere wenn du beim Abstellen deutlich hörst:

    surr → klack → knirsch → klack

    statt einer kurzen, sauberen Stellbewegung.


    6. Der MAP-/Ladedrucksensor ist ein Kandidat, den man sehr einfach überprüfen kann

    Der Motor hat einen Ladedruck-/Saugrohrdrucksensor (MAP-Sensor).

    Wenn dieser verschmutzt ist oder falsche Werte liefert, kann das Steuergerät glauben:

    Zitat

    „Ich bekomme nicht den Ladedruck, den ich angefordert habe.“

    obwohl der Turbo mechanisch möglicherweise völlig in Ordnung ist.

    Deshalb würde ich den Sensor nicht blind ersetzen, sondern zunächst:

    • ausbauen
    • auf Öl-/Rußablagerungen prüfen
    • Steckverbindung kontrollieren
    • Kabel kontrollieren
    • Messwerte mit dem Diagnosegerät anschauen

    Noch besser ist eine Live-Datenfahrt.


    Der wichtigste Test überhaupt

    Wenn dein Auslesegerät Live-Daten anzeigen kann, würde ich beim nächsten Auftreten des Problems folgende Werte beobachten:

    Ladedruck Soll
    Ladedruck Ist
    Motordrehzahl
    Luftmasse
    Ansteuerung Turboladerregelung bzw. entsprechender Stellwert

    Idealerweise zeichnet man diese Werte während einer kontrollierten Beschleunigung auf.

    Dann sieht man beispielsweise:

    Zitat

    Soll 2100 mbar → Ist 2080 mbar
    Soll 2300 mbar → Ist 1950 mbar
    Soll 2400 mbar → Ist 1800 mbar → Fehler

    Das wäre diagnostisch Gold wert.


    Und noch etwas Wichtiges zum „STOP“

    Mit roter STOP-Leuchte + Einspritzung prüfen würde ich tatsächlich weiterhin vorsichtig fahren.

    Nicht deshalb, weil dein Motor unmittelbar vor dem Exitus steht, sondern weil wir noch nicht wissen, welcher konkrete Fehlercode dahintersteckt.

    Dass du nach dem Löschen 50 km moderat fahren konntest, ist allerdings ein durchaus beruhigendes Indiz.

    Dass der Fehler erst bei einer Steigung unter höherer Last wiederkommt, ist dagegen ein sehr guter Hinweis auf einen Fehler, der erst dann sichtbar wird, wenn das System tatsächlich maximale Ladedruckregelung verlangt.

    Meine derzeitige Rangfolge wäre:

    1. Unterdruckversorgung / Unterdruckschläuche
    2. VTG-Verstellung bzw. deren Mechanik schwergängig
    3. Ladedrucksensor/MAP-Sensor bzw. dessen Signal
    4. Ansteuerung des neuen Druckwandlers
    5. Druckschlauch/Ladeluftstrecke undicht
    6. Drosselklappe/Stellmotor
    7. eigentliches Turboladerproblem

    Den kompletten Turbo würde ich momentan ganz bewusst noch nicht verdächtigen.

    Gib mir als Nächstes den exakten Fehlercode, den dein Auslesegerät gefunden hat. Wenn du mir zusätzlich sagst, welches Auslesegerät du verwendest, können wir daraus ziemlich gezielt den nächsten Prüfschritt ableiten.

    Gruß Micha

    Wenn mein Tipp den Fehler schneller fand als die Werkstatt: 😄
    ☕ Kaffeekasse: 1 € Spenden – Danke!

  • derAutoMichl
    Anfänger
    Beiträge
    6
    • 20. August 2026 um 01:14
    • #3

    Lieber Micha, was für eine Riesen-Antwort. Ich habe alles gemacht, was du mir geraten hast. Zunächst der korrekte Fehlercode

    P0299 ermittelt mit Launch 129x

    Der VTG Stellmechanismus bewegt sich supergeschmeidig mit ca 10-12 mm Weg. Die Handpumpe hat den Druck zuverlässig gehalten, 1/2 Stunde lang.

    Unterdrucksystem mit vor dem Druckwandler eingeschleifter Vergasermessuhr liefert ca. minus 0,7 Bar.

    Messfahrtauf der Autobahn ergibt im Datenstrom bei Vollgas

    um die 2100 mbar ( der Wert wird in blau dargestellt) Ladedruck

    Und für die Drosselklappe etwa 90% ( der Wert wird in rot dargestellt)

    Das Auto lief dabei 145 km/h, was der amtlichen Höchstgeschwindigkeit entspricht.

    Auf der gesamten Fahrt kam keine Fehlermeldung. Auto fährt normal, soweit ich es ohne Erfahrungswerte einschätzen kann.

    Eine Google AI meinte, die Drosselklappe könne evtl Zahnradkaries haben, und die Klappe könne im undefinierten Zustand den Luftstom unerlaubterweise drosseln.

    Ich finde die Idee plausibel und würde eine Drosselklappe ordern, falls du keine Einwände hast.

    Weißt du etwas über die Farbliche Darstellung der Messwerte beim Launch 129x ?

    Ich habe das Gerät ausgeliehen und checke dahingehend recht wenig... Auch was die Sollwerte betrifft, habe ich wenig Erkenntnisse.

    Map-Sensor besorge ich und werde ihn einbauen.

    Erstmal Danke,

    der Michl

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